Von Bienen und Blüten

Bienen und ihre Bedeutung für die Natur

Die meisten von uns wissen, dass Bienen nicht nur für uns Menschen die wohl bedeutendsten Insekten sind. Durch die kleinen, fleißigen Brummer werden Pflanzen bestäubt. Auf ihrer Suche nach Nahrung für das Bienenvolk streifen die Insekten in einem Radius von ca. 3km um ihren Bau umher um Nektar und Pollen zu sammeln. Der Nektar versorgt sie mit Zucker bzw. Energie, der Pollen mit vor allem für den Nachwuchs wichtigem Eiweiß. Doch die Bienen sind nicht die einzigen, die von dieser Beziehung profitieren. Die Pflanzen stellen die duftende Flüssigkeit nicht ohne "Hintergedanken" zur Verfügung. Bei ihrer Reise von Blüte zu Blüte bleiben an den Beinen der Bienen Pollen hängen. Die kleinen Häärchen an den Beinen nennt man auch Pollenhöschen. Nach dem Besuch einer männlichen Pflanze gelangt so der Pollen zur Weiblichen Pflanze und befruchtet diese.

Bienen sind nicht die einzigen Tiere, die bei der Befruchtung von Pflanzen helfen. Der Vorgang kann auch durch andere Insekten wie Schmetterlinge oder auch Vögel oder Fledermäuse stattfinden. Ein bekanntes Beispiel ist der Kolibri. Durch seinen langen Schnabel und die lange Zunge kommt er gut an den Nektar und hilft seiner Nahrungsquelle so bei der Fortpflanzung. Eine Win Win Situation. Viele Pflanzen und ihre Bestäuber haben dabei eine so intensive Verbindung, dass sie auschließlich von einer Art leben können. Manche Pflanzen werden nur durch eine Insektenart befruchtet. Ein Beispiel hierfür sind die Feigenwespen, die ihre Eier in die Blütenstände von bestimmten Feigenarten legen und diese bei dem Vorgang nebenbei befruchten.

 

Bienen  und Ihre Rolle für die Landwirtschaft

Immer wieder wird im Zusammenhang mit den Bienen die moderne Landwirtschaft kritisiert. Neben dem Einsatz von Insektiziden werden vor allem die riesigen Monokulturen kritisiert. In Landwirtschaftlichen Gebieten werden heutzutage teilweise nur Felder einer Pflanzenart bewirtschaftet, sodass über unvorstellbar große Distanzen zum Beispiel nur Mandeln angebaut werden. Aus Sicht der Bienen ist dies natürlich nicht wünschenswert. Genau wie bei uns Menschen ist eine einseitige Ernährung auch für Bienen nicht gesund. Doch auch diese Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. In Kalifornien, einem der größten Anbaugebiete von Mandeln weltweit, ist genau dies der Fall. Interassant ist hier, dass Honigbienen nicht heimisch in Amerika sind. Sie wurden durch die europäischen Einwanderer damals mitgebracht. Davor gab es ausschließlich Wildbienen, die in deutlich kleineren Völkern leben und keinen Honig produzieren und sich im Winter von ihm zu ernähren. Dadurch, dass diese Wildbienen in kleineren Völkern leben oder sogar Einzelgänger sind benötigen sie natürlich auch weniger Nahrung und sind dadurch nicht gezwungen viele verschiedene Pflanzen anzusteuern. Bei ihnen kommt es vor, dass sie sich teilweise nur von ein paar wenigen Nahrungsquellen ernähren.

Durch die riesigen Monokulturen wird dieser Lebensraum für die Bienen natürlich weniger attraktiv. Trotzdem sind wir Menschen aber auf die Arbeit der Bienen angewiesen. In Nordamerika ist es deshalb üblich, dass Imker mit ihren Bienenvölkern extra in diese Gebiete anreisen, damit ihre kleinen Helfer z.B. die Mandelpflanzen befruchten. Auf Dauer sind diese Gebiete nicht attraktiv für die Bienen, da alle vorkommenden Pflanzen zur selben Zeit blühen. Sollte es dem Bienenvolk nicht gelingen in der Blütezeit genug Nahrung für den Winter zu sammeln, hätten sie keine Möglichkeit auf alternative Nahrungsquellen zuzugreifen.

 

Verschiedene Honigsorten

Auch im Hinblick auf Honig ist die Pflanzenvielfalt interessant. Je nachdem welche Pflanzen die Bienen auf ihrer Suche nach Nektar anfliegen, variiert natürlich auch die Farbe und der Geschmack des Honigs. So lässt sich Honig geschmacklich beeinflussen. Unser Honiglieferant aus Griechenland geht ähnlich vor. Er reist mit seinen Bienenvölkern je nach Blütezeit kürzere Strecken und lässt sie von aktuell blühenden Pflanzen naschen. Dabei entsteht z.B. Pfriemenginsterhonig oder Eichen- und Kastanienhonig. Wichtig ist hierbei den Bienen genug von ihrem Honig für sich selbst und ihren Nachwuchs übrig zu lassen. Zwar können auch Nahrungsergänzungsmittel gefüttert werden wie Zuckerwasser, doch diese kommen nicht an die Qualität des natürlichen Honigs heran. Im Optimalfall haben die Bienen also genug von den verschiedenen Honigsorten der unterschiedlichen Pflanzen für sich selbst übrig und können, wie wir, die verschiedenen Geschmacksrichtungen genießen. Der Vorteil in verhältnismäßig warmen Regionen wie in Griechenland ist, dass die Bienen nur einen relativ kurzen Zeitraum von ihren Reserven zehren müssen und länger aktiv sammeln können.

 

Bienen und die Entwicklung von Blüten und Blumen

Ein weiterer positiver Effekt, der durch die Symbiose von Bienen und Pflanzen zustande gekommen ist, ist die Farbenpracht von Blumen. Da Blumen auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen sind, müssen sie natürlich attraktiv für sie sein um, möglichst viele von ihnen anzulocken. So entstanden im Laufe von 110 Mio. Jahren, in denen Pflanzen und Bienen voneinander profitieren, besondere Farben und Formen. Neben besonders viel Nektar und Pollen ist auch besonders intensiver Geruch eine wünschenswerte Eigenschaft. Bienen informieren ihr Volk durch den Schwänzeltanz über neue Nahrungsquellen. Je mehr Bienen die potentielle neue Nahrungsquelle anfliegen und für gut befinden, desto höher wird auch die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Bestäbung der Pflanzen durch die Bienen. Neben dem Geruch, der auch aus der Ferne wahrgenommen werden kann, spielt vor allem auch die Optik eine besondere Rolle. Bienen können zwar kein Rot sehen, im Gegensatz zu uns Menschen aber UV-Licht. Außerdem sind sie in der Lage sich auch Formen zu merken. Im Laufe der Evolution haben sich die Pflanzen dies zu Nutze gemacht. In Folge dessen wurden die Blüten immer farbenfroher und es entwickelten sich unterschiedliche Blütenformen, um sich von der Konkurrenz abzuheben, einen hohen Wiedererkennungswert zu erzielen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Bienen sie anfliegen.